Schlehenfrost

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Wie die Geschichte anfängt, erfahren Sie in der ausführlichen Leseprobe des Verlags. Dort können Sie das erste Kapitel im Originallayout nachlesen.




Hecke mit Schlehen
                                                       Foto: www.pixelio.de

Ein Rezept für Schlehenlikör finden Sie in Kürze unter dem Textausschnitt Eine alkolische Hecke in meiner Leseprobe aus dem Sachbuch Der neue Küchengarten von Anna Pavord.
 

Zehntes Kapitel

Lila liebte Paris, verband sie doch glückliche Erinnerungen mit dieser Stadt. Als Studentin hatte sie hier in paar schöne Monate verlebt, als Gast einer angesehenen und vermögenden Bankiersfamilie in der Rue de la Pompe – Monsieur war ein Geschäftsfreund ihres Vaters. Madame hatte die Hände buchstäblich in die Luft geworfen, aus Entsetzen über die stattliche Größe der gar nicht „kleinen“ Engländerin.
     
„Es ist, als ob man das Haus mit einem Pferd teilt“, hatte sie zu ihren Freundinnen gesagt – aber Lila hatte sich gegen jedes Styling gesträubt und nie einen Fuß in die schrecklich schicken Boutiquen gesetzt, in denen Madame und ihre Töchter sich einzukleiden pflegten. „Davon passt mir sowieso nichts!“, hatte sie fröhlich verkündet. „In solchen Sachen sehe ich lächerlich aus. Man muss dafür Französin sein und Püppchengröße haben, einer angelsächsischen Hünin wie mir steht so was nicht. Schon bald hatte sie ihre Unabhängigkeit demonstriert, sich ihren eigenen Freundeskreis gesucht und war über den malerischen Pont Neuf zu Vorlesungen an der Sorbonne geschlendert, mit anschließendem Bummel durch die Cafés und Bars am linken Ufer der Seine. Dort hatte sie auch ihre allererste Liebesbeziehung gehabt, mit einem holländischen Architekturstudenten, einem hoch gewachsenen und gut aussehenden Filou. Immer wenn sie aufs heftigste und in epischer Breite der Leidenschaft gefrönt hatten, wanderten sie anschließend Hand in Hand durch die Straßen, die schon mondänere Zeiten erlebt hatten. Sie schlürften Austern, schmökerten in Buchläden, saßen in Parks herum und redeten über Gott und die Welt.
     All die Parisklischees bestätigten sich, es lag etwas in der Luft, eine Verheißung, die alles Angenehme zu steigern schien - die Liebe, das Essen und Trinken, die Freundschaft, das Lachen - aber nicht in der heftigen, deftigen Manier anderer europäischer Fleischtöpfe mit ihren Hamburger- Restaurants und Sexshops: Hier war alles elegant und verspielt. Alles hatte so ein gewisses verführerisches Flair - die kleinen mit heißer Schokolade, die Crêperien und Cafés, die herbstlich bunten Blätter, die auf der Seine in der Abenddämmerung über dem Fluss aufflammten, Patisserien mit den köstlichen goldbestäubten Pasteten und den Konfektläden, in denen sich die Kunden ohne jede Hemmung Zeit für die Wahl jeder einzelnen Praline ließen, die dann mit silberner Zange herausgenommen und behutsam in eine kleine goldene Schachtel gelegt wurde.
    Selbst Lila, der nicht sonderlich Aufmerksamen, fiel der ganz eigene Stil der Pariserinnen auf: todschicke Frauen, alle in Schwarz, mit Hermès- Taschen, aus denen Baguettes herausragten. Oder die bildschöne Schülerin, die im Sciaparelli-Kostüm vom Flohmarkt heimradelte, und dann erst der Blumenladen, der sich über den Gehweg ausbreitete und die ganze Straße mit Lilienduft erfüllte – dort stellte sich ein distinguierter Herr im urenglischen Tweedmantel auf so gar nicht englische Art einen wunderbaren Strauß aus makellosen Blüten zusammen.
      Nach vier Jahren Abwesenheit kehrte sie nun in der drückenden Sommerhitze hierher zurück und war erneut völlig verzaubert. Der Mann an ihrer Seite erwies sich als angenehme Überraschung. Ein seltsamer Zufall hatte sie zusammengeführt.

~
Auszug aus Sarah Challis: Schlehenfrost
Deutsche Übersetzung: Christiane Bergfeld
Mit freundlicher Genehmigung der Rowohlt Verlag GmbH


Weitere Leseproben von Sarah Challis:
Die Farben des Glücks


Design + Text: Christiane Bergfeld, Hamburg. Alle Rechte vorbehalten.
Letzte Aktualisierung: 27. September 2009

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